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Agri-Photovaltaik in Deutschland

Einleitung

Der prognostizierte Anstieg der Weltbevölkerung um 1,2 Milliarden innerhalb der nächsten 15 Jahre ist mit einer steigenden Nachfrage nach Fleisch, Eiern sowie Milchprodukten, für deren Anbau über 70 % des globalen Süßwasservorrats verbraucht werden (2), und einem hohen Anstieg des Strombedarfs verbunden (3). Zudem ist der Anstieg der Erdtemperatur ist ein zunehmendes Problem, welches den Klimawandel antreibt.

Könnte der technologische Fortschritt in der Photovoltaik zur Problemlösung beitragen?

Die Kombination der beiden wichtigen Bedürfnisse des Menschen, Energie und Nahrung, könnte die entscheidende Lösung für die Probleme sein. Das Konzept der gemeinsamen Erzeugung von Lebensmitteln und Energie auf derselben Fläche wird als Agri-Photovoltaik (4) bezeichnet. Agri-Photovoltaik ist ein Verfahren, in dem mithilfe einer Photovoltaikanlage Strom erzeugt wird, während auf derselben Fläche auch Lebensmittel angebaut werden. Das Konzept der Agri-Photovoltaik, das auch als APV bezeichnet wird, wurde 1981 von dem deutschen Physiker Adolf Goetzberger entwickelt (5). APV wird auch als Agrophotovoltaik bezeichnet.
Die folgende Abbildung zeigt den Unterschied der Flächennutzungseffizienz eines Kartoffelanbaus mit und ohne Integration einer PV-Anlage auf derselben Fläche.

Abbildung 1: Durch die kombinierte Flächennutzung liegt die Effizienz der Flächennutzung mit APV auf dem Testgelände in Heggelbach bei bis zu 186 % (eigene Übersetzung nach (9)).

Das Wachstum von Pflanzen hängt von vielen Faktoren, wie der Menge des Sonnenlichts, der Bodenqualität, der Wassermenge usw. ab. Die für das Pflanzenwachstum benötigte Menge an Sonnenlicht stellt allerdings den wichtigsten Faktor dar. Einige Studien zeigen, dass die Verringerung der Sonneneinstrahlung ein Hauptfaktor für Ertragseinbußen ist. Schattentolerante Pflanzen hingegen sind in der Lage, ihren Lichtsättigungspunkt bei einer geringeren Gesamtsonneneinstrahlung zu erreichen, so dass sie im Schatten sogar bessere Erträge erzielen (6).

Lichtsättigungspunkt

Für die Photosynthese benötigen Pflanzen zum einen Licht. Die Fähigkeit, einfallendes Licht zu nutzen, unterscheidet sich von Pflanze zu Pflanze. Je nach Pflanzenart stagniert die Photosyntheserate ab einer bestimmten Lichtintensität. Der Lichtsättigungspunkt ist daher ein wichtiges Kriterium zur Bestimmung der Eignung von Pflanzen für APV, denn ab diesem Punkt sind die Pflanzen nicht mehr in der Lage, zusätzliches Licht in Photosyntheseleistung umzuwandeln und können sogar geschädigt werden. Je niedriger der Lichtsättigungspunkt einer Pflanze ist, desto besser ist sie für den Anbau in einem APV System geeignet (7).

Abbildung 2: Schematische Darstellung: Photosyntheserate in Abhängigkeit von der Lichtintensität bei Sonnen- und Schattenpflanzen (eigene Übersetzung nach (7)).

Arten von APV-Systemen

Die APV wird in drei Typen unterschieden, die im Folgenden dargestellt werden.

1. Hoch aufgeständerte APV

Eine der Option zur Integration von PV-Systemen und Landwirtschaft stellt die Nutzung von derselben Fläche dar. Die PV-Paneele werden hierbei oberhalb der genutzten Ackerfläche aufgeständert, wo Reihen von stabilen (Stahl-)Stützen in variablem Abstand aufgestellt werden.

Abbildung 3: Hochgelegene APV-Anlage (17).

 

Der Abstand zwischen den Reihen wird so gewählt, dass sich die Anlage in die umgebende landwirtschaftliche Praxis einfügt und möglichst wenig beeinträchtigt wird. Die Errichtung der Anlage kann über verschiedene Fundamente erfolgen. Ein Beispiel bilden Schraub- oder Rammfundamente, die so tief im Boden verankert werden, dass für die Gesamtkonstruktion auch bei wechselnden Windlasten ausreichende Stabilität gewährleistet werden kann (8).

Abbildung 4: Hoch aufgeständerte APV-Anlage (8).

Die Höhe des Bauwerks und der Reihenabstände hängen insbesondere von der gewählten Pflanzkultur und damit einhergehenden landwirtschaftlichen Maschinen ab, die später auf dem Land eingesetzt werden sollen. Bei dieser Art der Anlage wird entsprechend ein großer Reihenabstand und eine hohe Höhe gewählt, um eine ungehinderte Zufahrt für große Landmaschinen zur Ernte zu gewährleisten. Theoretisch ist die bewegliche Höhe frei wählbar, sie entspricht aber in der Regel mindestens vier Meter. Auch der Reihenabstand ist variabel und hängt davon ab, wie breit die Maschinen zur Feldbearbeitung und Ernte sind. Die PV-Anlagen sind in der Regel nach Südosten, Süden oder Südwesten ausgerichtet. Die Art der bewirtschafteten Kulturen ist bei dieser Art der Anwendung frei wählbar, da eine Beschattung der Module durch die Kulturen aufgrund der Höhenlage ausgeschlossen ist (8). Der größte Nachteil dieser Art von APV besteht darin, dass die Kosten für den Bau der Montagestruktur im Vergleich zu herkömmlichen PV-Systemen vergleichsweise hoch sind.

2. Vertikale APV

Vertikale APV ist ebenfalls eine Art von Agri-Photovoltaik, bei der Solarmodule in vertikaler Ausrichtung installiert werden und in der bifaziale Solarmodule über- und nebeneinander montiert werden, wobei sich die Unterkante der unteren Modulreihe zwanzig bis achtzig Zentimeter über dem Boden befindet. Die einzelnen Reihen können bis zu drei Meter hoch sein.

Abbildung 5: Vertikales APV System (13).

Eine noch höhere Montage bietet eine zu große Angriffsfläche für Seitenwinde und ist aus statischen Gründen nicht realisierbar, da die Fundamente überproportional stark sein müssten. Ein wirtschaftlicher Betrieb wäre somit aufgrund der steigenden Installationskosten nicht tragbar. Daher werden meist zwei Module übereinander installiert, da bei drei oder mehr Modulen die Windlast deutlich ansteigt. Zudem müssten die Reihenabstände sehr groß sein, um eine Selbstverschattung der Module zu verhindern. Dies würde zu einer geringeren Flächenleistung führen. Bei diesem Anlagentyp werden daher bifaziale Module verwendet, um den maximalen Strom über beide Seiten der Paneele zu erzeugen. Diese Module haben in der Regel einen sog. Bifazialitätsfaktor von 80 – 85 %. Das bedeutet, dass die Rückseite dieser Module 80 – 85 % der Leistung der Vorderseite erzeugen kann (8).

Abbildung 6: Vertikales APV-System (8).

Der Hauptvorteil von vertikalen APV-Systemen besteht darin, dass die Spitzen-Energieerzeugung in den Morgen- und Abendstunden erfolgt, wenn die Strompreise höher sind. Im Vergleich dazu erreichen herkömmliche PV-Systeme ihr Maximum in der Mittagszeit, wenn die Sonne im Zenit steht.

3. APV mit großen Reihenabständen

Bei der dritten Option des APV-Systems werden die Module so installiert, dass der Reihenabstand für die landwirtschaftliche Nutzung maximal gehalten wird. Diese Art der Konstruktion wurde in Althegnenberg in Nordbayern entwickelt und bisher nur dort installiert. Bei diesem Projekt wurdendie PV-Paneele auf einer einachsigen Tracker-Montagestruktur installiert und der Reihenabstand mit14 m deutlich größer gehalten als bei herkömmlichen PV-Anlagen mit fester Neigung. Dies ist auch für die maschinelle Bewirtschaftung der dazwischen liegenden landwirtschaftlichen Flächen hilfreich. Außerdem ist die Aufständerung höher als bei herkömmlichen nachgeführten PV-Systemen,um die Abschattung der Module durch die Pflanzen zu minimieren (8).

Im Normalbetrieb wird eine Tracking-Funktion genutzt, um den Stromertrag zu optimieren, während das Wachstum der dazwischenliegenden Pflanzen so wenig wie möglich beeinflusst wird. Für den landwirtschaftlichen Anbau können die Module um mehr als 60 Grad gedreht werden. In dieser nahezu vertikalen Ausrichtung hat der Landwirt mehr Platz, um die Zwischenflächen ungestört zu bepflanzen, zu pflegen und zu ernten.

Abbildung 7: APV-Anlage mit hohen Reihenabständen (8).

Dieses Systemdesign eignet sich daher für den Einsatz bei vielen traditionellen Nutzpflanzen. Allerdings ist auch bei dieser Art von System die Auswahl an geeigneten Kulturen, die zwischen den Modulreihen angebaut werden können, begrenzt. Höher installierte PVAnlagen sind möglich, aber nur bis zu einem bestimmten Grenzwert.

Eine solche Erhöhung der Solarmodule treibt die Materialkosten jedoch in die Höhe und stellt damit die Gesamtwirtschaftlichkeit der Anlage in Frage. Der Hauptvorteil dieses APV-Typs besteht darin, dass die Kosten der PV-Anlage fast gleich hoch sind wie die Kosten herkömmlicher PV-Anlagen (8).

Abbildung 8: APV-System mit hohem Reihenabstand (14).

APV Potenzial in Deutschland

Die APV hat von allen integrierten PV-Systemen das größte Potenzial. Insgesamt werden nur etwa 4 % der Ackerfläche benötigt, um den derzeitigen Gesamtstrombedarf (Endenergie) in Deutschland zu decken (etwa 500 GWp installierte Leistung).

Abbildung 9: Flächenverteilung in Deutschland (eigene Übersetzung nach (9)).

Nach einer ersten Abschätzung des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE (Fraunhofer ISE) hat APV allein in Deutschland ein technisches Potenzial von rund 1700 GWp, das vor allem auf schattentoleranten Pflanzen beruht. Würden nur zehn Prozent dieser 1700 GWp genutzt, würde sich die derzeitige PV-Leistung in Deutschland mehr als verdreifachen. Aus energetischer Sicht ist die Doppelnutzung von Ackerflächen für den Anbau und der Energieerzeugung wesentlich effizienter als der reine Energiepflanzenanbau, wie beispielsweise Raps für Biodiesel, der derzeit 14 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland ausmacht (9).

Abbildung 10: Weltweit installierte Kapazität von APV-Systemen ((eigene Übersetzung nach (15)).

Aktueller Forschungstand

Da die Kartoffel als schattentolerante Pflanze gilt, wurde diese mit dem Ziel die Auswirkungen von vier verschiedenen Beschattungsgraden (0 %, 12 %, 26 %, 50 %; ohne PV-Anlage) auf das Wachstum, den Knollenertrag und die Qualitätsparameter von der Universität Hohenheim untersucht. Die Feldversuche wurden über drei Jahre von 2015 bis 2017 unter der gegebenen Gesamtbestrahlungsstärke in Südwestdeutschland durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass der Ertrag mit einer reduzierten Sonneneinstrahlung von bis zu 26 % auskommt (6) und geben damit für den Kartoffelanbau in Kombination mit einer PV-Anlage eine äußerst gute Prognose.

1. Hoch aufgeständerte APV

Im Forschungsprojekt APV-RESOLA, das vom Fraunhofer ISE durchgeführt wurde, wurden auf der Pilotanlage in Heggelbach ein Mix aus Gras-Klee-Mischung, Winterweizen, Kartoffeln und Sellerie nach biologisch-dynamischen Prinzipien angebaut. Die Eignung des Pflanzenanbaus unter APV wurde erfolgreich nachgewiesen. Auch bei den Kartoffelerträgen wurde eine hohe Abhängigkeit von Witterungsschwankungen festgestellt: So schwankte der Ernteertrag unter der APV-Anlage im Vergleich zur Referenzanlage (ohne Solarpaneele) zwischen -20 % im Jahr 2017 und +11 % im heißen und trockenen Jahr 2018. Die ersten Ergebnisse zu den Erträgen auf den Versuchsflächen im Jahr 2017 waren vielversprechend: Bei der Gras-Klee-Mischung sank der Ertrag im Vergleich zur Referenzfläche nur leicht um 5,3 %. Bei Kartoffeln, Weizen und Sellerie war der Ertragsrückgang durch die Beschattung mit 18 – 19 % dagegen etwas stärker ausgeprägt. Im sehr trockenen Jahr 2018 wurden bei Winterweizen, Kartoffeln und Sellerie höhere Erträge erzielt als auf den Referenzparzellen ohne PV-Module. Am meisten profitierte Sellerie mit einer Ertragssteigerung von 12 %. Die Erträge von Kartoffeln und Winterweizen stiegen um 11 respektive 3 %. Bei der Gras-Klee-Mischung sank der Ertrag im Vergleich zur Referenzfläche um 8 %. Die Erträge blieben im Mittel über den kritischen 80 % im Vergleich zur Referenzanlage ohne PV-Modulen und sind daher ökonomisch profitabel (9).

2. APV mit großen Reihenabständen

Eine weitere Studie zum Kartoffelanbau mit APV mit großem Reihenabstand wurde kürzlich von der SRH Hochschule Berlin auf dem 15 ha großen Acker in Künzelsau durchgeführt. Dabei wurde hauptsächlich die Leistungsanalyse von einachsigen Trackern und fest geneigten PV-Systemen untersucht. Der Reihenabstand zwischen den PV-Systemen mit fester Neigung und dem einachsigen Tracking-System wurde auf 13 m bzw. 15 m festgelegt, um eine Abschattung zwischen den Reihen und eine reibungslose Bewegung der landwirtschaftlichen Geräte zu vermeiden. Das Ergebnis zeigt, dass die Kartoffelernte mit einem festen APV-System 106,14 t betrug (verglichen mit 165 t im Freiland), während zudem 9.403 MWh Strom pro Jahr erzeugt wurde, so dass die Landnutzung mehr als 100 % beträgt. Die Steigerung der Landnutzungseffizienz wird mit dem Landäquivalenzverhältnis (LÄV) gemessen, was ein Konzept aus der Agroforstwirtschaft ist, um die Effizienz des APV-Systems zu berechnen (siehe Abb. 1). Der LÄV des APV-Systems mit fester Neigung beträgt 1,26, was bedeutet, dass ein APV-System von 10 ha so viel Kartoffel und Strom produzieren würde wie 12,6 ha Monoproduktion. Das einachsige APV-System mit Tracker hingegen hat einen Kartoffelertrag von 113 t und 8400 MWh Strom pro Jahr erzielt. Der LÄV beträgt 1,31 (10), was bedeutet, dass eine 10 ha APV-Anlage so viel Kartoffel und Strom produzieren würde wie 13,1 ha Monoproduktion. Die Studie kommt somit zu dem Ergebnis, dass das APV-System mit einachsigem Tracker im Vergleich zu einem APV-System mit fester Neigung die ertragreichere Option darstellt.

Weitere Studien

Vor kurzem hat das deutsche Unternehmen BayWa r.e. gemeinsam mit ihrer Tochtergesellschaft GroenLeven neue Versuche mit Sonderkulturen wie Himbeeren in den Niederlanden und Trauben in Frankreich angestellt. Die Module wurden dachartig über den Pflanzen aufgebaut und schützen diese vor starken Regenfällen und übermäßiger Sonneneinstrahlung. Der Reihenabstand wird auf Grundlage der ausreichenden Sonneneinstrahlung für die Pflanzen festgelegt. Die Art der Aufständerung schafft ein günstiges Mikroklima, das tagsüber durch einen Kamineffekt eine Abkühlung erzielt und nachts höhere Temperaturen als in der Umgebung aufrechterhalten kann. Die Ergebnisse zeigen, dass diese Art der PV-Installation die Pflanzenkulturen nicht nur vor Wetterereignissen wie Hitze oder Hagel schützt, sondern gleichzeitig eine Umgebung, die das Wachstum und Erträge ankurbelt, kreiert. Die Kosten für diese Strukturen sind jedoch sehr hoch und eignen sich daher nicht für besonders große landwirtschaftliche Flächen (8).

Abbildung 11: Himbeeranbau unter PV-Modulen in Frankreich (16).

Eine Vorstudie des Fraunhofer ISE an einem Standort im indischen Bundesstaat Maharashtra deutet darauf hin, dass die Auswirkungen der Beschattung und der verringerten Verdunstung durch landwirtschaftliche Photovoltaikanlagen die Erträge von Tomaten und Baumwolle um bis zu 40 % steigern können (11). Die Forscher erwarten, dass sich die Landnutzungseffizienz in dieser Region nahezu verdoppeln könnte (9).

Internationale Entwicklung der APV

China hält weltweit derzeit den höchsten Anteil an APV. Mit insgesamt rund 2,8 GWp errichteten APV-Anlagen macht die APV in China etwa 1,9 GWp aus (Stand 2020). In China befindet sich die größte APV-Anlage der Welt, mit Photovoltaikmodulen mit einer Kapazität von 700 MWp, die sich über Beerenkulturen am Rande der Wüste Gobi erheben und einen Beitrag zum Kampf gegen die Wüstenbildung leisten (9).

Japan und Südkorea nutzen ebenfalls die Chancen, die die Photovoltaik auf die Landwirtschaft hat. Jedoch konzentrieren sich beide Länder derzeit auf kleinere Systeme. In Japan sind nach aktuellem Stand mehr als 1800 Systeme installiert worden. In Südkorea, wo die Abwanderung in die Städte stark zunimmt, plant die Regierung den Bau von 100.000 APV-Anlagen auf Bauernhöfen als Altersvorsorge für Landwirte (monatliches Einkommen von etwa 1.000 US-Dollar aus dem Stromverkauf), um das Aussterben von Bauerngemeinschaften zu verlangsamen (9).

Auch Frankreich fördert seit 2017 die APV eigenen Ausschreibungen, geplant ist eine Installationskapazität von 15 MW pro Jahr. Der Fokus der Vergabe der Aufträge liegt hauptsächlich auf dem Angebotspreis sowie der Innovativität der Projekte.

Die maximale Projektgröße liegt bei 3 MWp. In den ersten bereits stattgefundenen öffentlichen Ausschreibungen wurden nur Aufträge für Gewächshäuser vergeben, in der zweiten und dritten Runde sollen jedoch jeweils 140 MWp für APV-Anlagen mit einer Leistung zwischen 100 kWp und 3 MWp ausgeschrieben werden. Die Projekte können eine Einspeisevergütung für einen Zeitraum von 20 Jahren erhalten. Im März 2020 wurden 40 MWp für APV-Projekte vergeben (9).

In den USA werden ebenfalls APV-Anlagen installiert. So konnte beispielsweise eine Forschungsanlage in Massachusetts die Doppelnutzung von Pflanzenbau und Stromerzeugung demonstrieren. Der Staat stellt zudem seit 2018 Mittel für die Doppelnutzung zur Verfügung (9). Eine von der Michigan Technological University durchgeführte Studie zeigt einen Anstieg der PV-Kapazität zwischen 40 und 70 GW für den Fall, dass der gesamte Salatanbau in den USA auf APV umgestellt wird (4).

Herausforderungen: Hürden bei der Umsetzung

Während die technische und wirtschaftliche Machbarkeit der APV in vielen Ländern aufgezeigt werden konnte, ist der derzeitige rechtliche Rahmen vermutlich das größte Hindernis für die Realisierung des APV-Potenzials. In Deutschland beispielsweise ist die Doppelnutzung von Flächen für Photovoltaik und Landwirtschaft derzeit gesetzlich nicht definiert und das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sieht keine angemessene Entschädigung vor.

Die gesellschaftliche Akzeptanz stellt in einigen Regionen eine weitere Herausforderung für den Einsatz von APV dar. Die frühzeitige Einbindung der Betroffenen sowie der Bürgerinnen und Bürger der Gemeinden, auf deren Gebiet die geplante Photovoltaikanlage errichtet werden soll, ist daher eines der wichtigen Handlungsfelder. Um verlässlichere Aussagen über die verschiedenen Ansätze, mögliche Synergieeffekte und Akzeptanzfragen treffen zu können, ist es notwendig, erste größere Pilotanlagen zu installieren und weitere Forschungsprojekte durchzuführen.

Auf diese Weise können nicht nur die ökologischen und ökonomischen Chancen und Risiken, sondern auch die nicht-technischen, sozialen Erfolgsfaktoren genauer untersucht werden. Gleichzeitig können Ansätze zur Förderung der Investitionsbereitschaft entwickelt und Akteure, Bürger und Wirtschaftsunternehmen zur Entwicklung kreativer Lösungen angeregt werden.

Zusammenfassung

Der Einsatz von APV-Systemen bietet eine Reihe von Möglichkeiten, die abhängig von regionalen und klimatischen Bedingungen variieren. Der eigentliche Mehrwert der APV-Technologie besteht darin, dass sie die gleichzeitige Erzeugung von Nahrungsmitteln und Energie ermöglicht, was für die Landwirte unbestreitbare wirtschaftliche Vorteile mit zusätzlichen potenziellen Synergieeffekten bietet.

APV kann ein wichtiger Bestandteil künftiger Agrarsysteme sein, um einige der wichtigsten aktuellen und künftigen gesellschaftlichen sowie ökologischen Herausforderungen wie Klimawandel, globale Energienachfrage, Ernährungssicherheit und Landnutzung zu bewältigen (12).

Von: Omkar R. Paygude

 

QUELLEN:

(1) WorldOMeter (2021). Current world population. Verfügbar unter: https://www.worldometers.info/world-population/ (abgerufen am: 13.07.2021).
(2) Gleick, P. H. et al. (2014). The World’s Water: The Biennial Report on Freshwater Resources. Verfügbar unter: https://islandpress.org/books/worlds-water-volume-8 (abgerufen am: 12.11.2021).
(3) Frei, C. et al. (2013). World energy scenarios: Composing energy futures to 2050. Verfügbar unter: https://www.worldenergy.org/assets/downloads/World-Energy-Scenarios_Composing-energy-futures-to-2050_Full-report1.pdf (abgerufen am: 12.11.2021).
(4) Pearce, H. D. (2016). The Potential of Agrivoltaic Systems. Verfügbar unter: https://hal.archives-ouvertes.fr/hal-02113575/file/The_potential_of_agrivoltaic_systems.pdf (abgerufen am: 12.11.2021).
(5) Goetzberger, A. & Zastrow, A., (1982). On the Coexistence of Solar-Energy Conversion and Plant Cultivation. International Journal of Solar Energy. Verfügbar unter: https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/01425918208909875 (abgerufen am: 12.11.2021).
(6) Schulz, V. S. et al. (2019). Impact of Different Shading Levels on Growth, Yield and Quality of Potato (Solanum tuberosum L.). Verfügbar unter: https://www.mdpi.com/2073-4395/9/6/330 (abgerufen am: 04.11.2021).
(7) Büchele, M. (2018) Lucas’ Anleitung zum Obstbau. Verfügbar unter: https://www.ulmer.de/usd-5042176/lucas-anleitung-zum-obstbau-.html (abgerufen am: 12.11.2021).
(8) Scharf, J. et al., (2021). APV Stand und Offene Fragen. Verfügbar unter: https://www.tfz.bayern.de/mam/cms08/rohstoffpflanzen/dateien/tfz_bericht_73_agri-pv.pdf (abgerufen am: 12.11.2021).
(9) Fraunhofer ISE (2020), Agrivoltaics: opportunities for agriculture and the energy transition. Verfügbar unter: https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/en/documents/publications/studies/APV-Guideline.pdf (abgerufen am: 04.11.2021).
(10) Paygude, O. R. (2021). Thesis Study ‘Performance Analysis of Single Axis Tracker and Fixed Tilt PV System in Agro-photovoltaic at Künzelsau, Germany’. SRH Berlin University of Applied Science.
(11) Trommsdorff, M. et al. (2019). Feasibility and Economic Viability of Horticulture Photovoltaics in Paras, Maharashtra, India. Verfügbar unter: https://www.energyforum.in/fileadmin/user_upload/india/media_elements/publications/20200522_Study_HortiPV_Paras/20200528_HortiPV_Study_blankcover.pdf (abgerufen am: 12.11.2021).
(12) Weselek, A. et al. (2019). Agrophotovoltaic systems: applications, challenges, and opportunities. Verfügbar unter: https://link.springer.com/article/10.1007/s13593-019-0581-3#citeas (abgerufen am: 12.11.2021).
(13) Next2sun GmbH. (o. D.). [Vogelperspektive der Pilot Anlage in Losheim am See]. Verfügbar unter: https://www.next2sun.de/wp-content/uploads/2020/06/Bird-Eye-perspective-Pilot-Plant-Losheim-am-See.jpeg (abgerufen am: 24.11.2021).
(14) OEKO-HAUS GmbH. (o. D.). [Agro-PV der Anlage Althegnenberg]. Verfügbar unter: https://www.oeko-haus.com/Referenzen/#referenzen (abgerufen am: 24.11.2021).
(15) Fraunhofer ISE. (o. D.). Agri-Photovoltaik: Chance für Landwirtschaft und Energiewende. Verfügbar unter: https://www.agri-pv.org/de/ (abgerufen am: 24.11.2021).
(16) BayWa r.e. AG. (o. D.). Raspberry cultivation under PV in France. Verfügbar unter: https://www.baywa-re.com/en/solar-projects/agri-pv (abgerufen am: 24.11.2021).
(17) Fraunhofer ISE (o. D.). Agri-Photovoltaik. Verfügbar unter: https://www.ise.fraunhofer.de/de/leitthemen/integrierte-photovoltaik/APV-agri-pv.html (abgerufen am: 24.11.2021).

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